Olympiade in Peking 2008

 

Dr. Gunter Glaser zurück aus Bejing

Von Andreas Weber

"Olympia war jede Minute wert." Eine Feststellung, die Dr. Gunter Glaser dem WGA-Redakteur mit Nachdruck in den Schreibblock diktiert. Die noch frischen Erinnerungen lassen den Wermelskirchener Zahnarzt schwärmen.

Ehrenamtlich hat er die vergangenen 16 Tage seine Dienste in Bejing zur Verfügung gestellt. "Beim größten Sportereignis der Welt dabei zu sein, dafür brauche ich kein Gehalt." Er empfindet es als Auszeichnung. Und mit einem Augenzwinkern stichelt der 40-Jährige: "Trotz Budgetierung wirft die Praxis so viel ab, dass ich mir diesen Traum erlauben kann."

Unzählige Erlebnisse machen die Faszination der fünf Ringe aus. Manchmal sind es die kleinen Episoden, die sich einbrennen. Wie die Begegnung auf der Toilette des Deutschen Hauses. Seine Mutter hatte Gunter mit auf den zehnstündigen Flug gegeben: "Wenn Du Dirk Nowitzki siehst, schönen Gruß, ich hätte gerne ein Autogramm." Glaser traf den Basketball-Weltstar beim Händewaschen danach, hätte ihn fast nicht erkannt, weil der Hüne rasiert ein wenig anders aussieht.

Nachdem es dann klick gemacht hatte, schoss Glaser der elterliche Auftrag durch den Kopf. "Wenn's schnell geht", hatte Nowitzki freundlich geantwortet. "Ich bin losgespurtet und habe Block und Stift organisiert." Am Ende stand ein Autogramm mit Widmung ("Für Joan") vom deutschen Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier. Die Mama mochte erst nicht glauben, dass es sich um ein Original handelt.

Der Mediziner gehörte zwar nicht zur Delegation, war aber so hautnah dran, dass die 16 Tage wie im Flug vorbeizogen. Zum zweiten Mal nach Athen 2004 öffnete Gunter Glaser sein Behandlungszimmer für malade Athleten und Funktionäre. Die nüchterne Bilanz: In Athen half der Wermelskirchener über 80 Zahnpatienten, in Bejing war es 25. Der Grund: Die Behandlungseinheit, die Glaser im International Medical Centre nutzen konnte, stand nur von 17 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung zur Verfügung.

Außerdem lag das Centre diesmal neben dem deutschen Hauptquartier, dem Kempinski-Hotel, und nicht, wie in Athen, direkt im Deutschen Haus. Laufkundschaft gab es nicht. Vor allem aber ließen die Athleten aus Furcht vor unbeabsichtigten Doping-Vergehen lieber Vorsicht walten, wenn es im Gebiss schmerzte. Risiken und Nebenwirkungen aus chinesischen Beipackzetteln herauszufiltern, damit hielt sich der in den fremden Schriftzeichen nicht bewanderte Wermelskirchener Olympia-Doc zurück.

Vieles, sagt Glaser, hätte sich aber auch über die beiden Handys regeln lassen, mit denen er ständig erreichbar war. Angemietet vom Bremer Dentalunternehmen Bego, die Flug und Unterkunft von Glaser sponserten, gab es im Behandlungszimmer selbst nur wenig akute Fälle wie den Vater des Wasserball-Kapitäns Sören Mackebel.

Helfen konnte Gunter Glaser auch über sein Hobby: die Zauberei. Eingeladen von Christian Breuer, dem Athletenvertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), munterte der Sonnyboy selbst untröstliche Verlierer auf. Glaser, Mitglied im "Magischen Zirkel" und jederzeit in der Lage, ein ausgedehntes Bühnenprogramm aus dem Ärmel zu schütteln, zauberte mit seinen Kunststückchen ein Lachen in Sportlergesichter.

Dass er vom Smog der chinesischen Hauptstadt anfangs ein heftiges Kratzen im Hals verspürte, seine Frau Christina, die für eine Woche hinzustieß, wie viele andere mit Augenproblemen zu kämpfen hatte, trübte den Gesamteindruck nicht. Athen sei zwar familiärer gewesen, Bejing dafür imposanter. Fortsetzung soll in London 2012 folgen Beides hatte seinen Charme, lobt Glaser. Freunde hat er über Olympia gewonnen.

Wie Degenfechterin Claudia Bokel (Mannschaftssilber 2004 in Athen), die während der Spiele als Mitglied der Athletenkommission in das IOC gewählt wurde. "Die vielen menschlichen Begegnungen mit Menschen aller Nationalitäten bis zu Medaillengewinnern waren einfach wieder fantastisch", lässt Glaser keinen Zweifel, dass für ihn eine Fortsetzung folgen soll.

Da der Vertrag von Bego als olympischer Co-Partner um vier Jahre verlängert worden ist, wird der Wermelskirchener die einzigartige Atmosphäre wohl wieder schnuppern. Ob in Vancouver 2010 (Winter) weiß er nicht, aber London 2012 (Sommer) hat Gunter Glaser ganz fest im Visier.

Operation China geglückt

VON GUNDHILD TILLMANNS

Wermelskirchen (RP) Der Wermelskirchener Zahnarzt Dr. Gunter Glaser wird zum zweiten Mal die deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen betreuen. Er freut sich nicht nur auf sportliche Patienten in Peking, auch auf die Wettkämpfe.

Mit „einem strahlenden Lächeln für Goldmedaillengewinner“ im Gepäck wird der Wermelskirchener Zahnarzt Dr. Gunter Glaser Anfang August das Flugzeug nach Peking besteigen. Nicht nur er selbst strahlt bereits jetzt über sein neuerliches Engagement zu den Olympischen Spielen. Er freut sich auch auf seine sportlichen Patienten, denen er zu einem Zahnschmerz freien Wettkampf und entsprechendem Siegeslächeln verhelfen möchte. „Operation China gelungen“, heißt es jetzt für Dr. Glaser. Denn diesmal war es wirklich eine Operation, die Vorbedingungen für seinen nach Athen zweiten olympischen Einsatz zu schaffen.

Praxis am Deutschen Haus

Zwar hatte sich Dr. Glaser, wie beim ersten Mal, wieder bereit erklärt, ehrenamtlich die deutschen Athleten zahnärztlich zu betreuen. Mit seiner Sponsorenfirma Bego/ und Bego Implant Systems war denn auch zunächst vereinbart, dass er wieder eine Praxis vor Ort eingerichtet bekäme. „Das hat sich leider zerschlagen, weil sich diesmal wegen der weiten Distanz auch besondere Schwierigkeiten eingestellt haben“, bedauert der Zahnarzt. Aber er sei trotzdem dankbar, dass sein Sponsor dafür gesorgt habe, dass er die Praxis des deutschen Zahnarztes Dr. Arnulf Reinar-Metzmacher in Peking mitnutzen dürfe: „Die Praxis liegt genau gegenüber vom Deutschen Haus, sie ist also für die Athleten gut erreichbar. Und das Deutsche Haus stellt auch den Kontakt zu mir her“, berichtet Dr. Glaser.

 Er werde wieder mit eigenem Füllmaterial anreisen, „um den deutschen Standard zu gewährleisten“. Anders als in Athen bestehe diesmal aber wegen der Enge der Praxis nur die Möglichkeit der akuten Schmerzversorgung der deutschen Athleten. In Athen seien auch Prophylaxe und ähnliches möglich gewesen; dort hätten die Athleten die wettkampffreie Zeit genutzt, „um noch mal wieder zum Zahnarzt zu gehen.“ Und deshalb seien etliche Athleten seither auch Stammpatienten seiner Praxis, freut sich Dr. Glaser.

Viel Sport und viel vom Land sehen

Wenn er auch in Peking von den Patienten voraussichtlich nicht so gefordert wird, wie 2004 in Athen, so sieht er dort andere Vorteile: „Ich bin für Notfälle abrufbar, aber ich werde dann auch viel mehr Zeit haben, die Wettkämpfe zu verfolgen“, nimmt sich Dr. Glaser vor, der ein ausgesprochener Sportfan ist. Fechten, Leichtathletik und Handball möchte er auf keinen Fall versäumen. Und in der zweiten Woche reist ihm seine Frau Christina nach: „Wir wollen möglichst viel vom Land sehen, denn ich war noch nie vorher in Asien“, sagt Dr. Gunter Glaser

Dr. Gunter Glaser war in Athen 2004 dabei...